Lichtmesstagung 2017
30.01.2017

Lichtmesstagung 2017: Bodenfruchtbarkeit rückt in den Fokus

Wie können wir die Bodenfruchtbarkeit für künftige Generationen erhalten und stärken? Das ist eine Frage, der sich nicht nur Bauern und Gärtner stellen müssen. Denn die meist nur 30 Zentimeter starke, fruchtbare Bodenschicht bildet die Basis für unsere Ernährung in Gegenwart und Zukunft. Doch durch intensive Landwirtschaft, Verstädterung, Verschmutzung und Verdichtung werden immer mehr ökologisch wertvolle Flächen zerstört.

 

Rund 100 Obst- und Gemüse-Anbauer aus dem „Bündnis für biologisch-dynamische Arbeit am Bodensee“ und interessierte Akteure aus dem Netzwerk „WIR. Bio Power Bodensee“ kamen am dritten Januar-Wochenende zur jährlich stattfindenden Lichtmesstagung zusammen, um in Vorträgen und praktischen Anschauungen Wissen und Erfahrungen zum Aufbau der Bodenfruchtbarkeit auszutauschen.

 

Im Rahmen der dreitägigen Veranstaltung vermittelte etwa Christoph Felgentreu von der Deutschen Saatveredelung in Brandenburg wertvolle Kenntnisse über bodenstärkende Fruchtfolgen, die einer einseitigen Beanspruchung des Bodens entgegenwirken. „Der Boden ist das, was die Pflanzen aus ihm machen“, so Felgentreu in seinem Vortrag. Felgentreu stellte überdies verschiedene Verfahren der Bodenbeurteilung vor, mit denen die Tagungsteilnehmer mitgebrachte Bodenproben gleich praktisch begutachten konnten. „Es ist beeindruckend, wie gut man die Qualität der Erde mit allen Sinnen erfahren kann“, beschreibt Johannes Günther vom Hofgut Rengoldshausen seine Eindrücke.

 

Wie könnte die verstärkte Bindung des Kohlendioxids durch die biologische Landwirtschaft als gesellschaftliche Leistung anerkannt werden? Das ist eine Frage, der Tobias Bandel nachging. Als Mitgründer des niederländischen Beratungsunternehmens Soil & More setzt er sich weltweit für nachhaltige Landwirtschaft, Humusbildung und Kohlenstoffbindung ein. Klar sprach sich Bandel dafür aus, negative Klimaeffekte nicht etwa durch Baumpflanzungen auf anderen Kontinenten zu kompensieren, sondern wo möglich durch CO2-senkende Aktivitäten in der jeweiligen Region – ein Ansatz, mit dem biologisch wirtschaftende Landwirte zu wichtigen Partnern für ihr regionales Umfeld werden.

 

Daneben tauschten sich die Tagungsteilnehmer unter anderem über den enormen Beitrag der Regenwürmer zur Bodenfruchtbarkeit aus und über den Kohlenstoff-Bilanzierungs-ansatz von Nicolaus Remer, mit dem sich bemessen lässt, ob dem Boden genügend organische Masse als Nahrung für Regenwürmer und Bodenleben zugeführt wird.

 

„Gerade das Erntejahr 2016, das aufgrund der teilweise sehr ungünstigen Witterung zu starken Ertragseinbußen führte, hat uns gezeigt, in welchem Maß ein guter, fruchtbarer Boden die Folgen von extremen Witterungseinflüssen abfedern kann“ sagt Ilsabé Zucker vom Bündnis für biologisch-dynamische Arbeit am Bodensee. „Wir sind entschlossen, unser Engagement für die Stärkung der Bodenfruchtbarkeit zu intensivieren. Auf der Lichtmesstagung bekamen wir dafür viele wirksame Impulse“, so Zucker.

 

So beschlossen die Teilnehmer unter anderem, bei den jährlichen Betriebsentwicklungsgesprächen und Sommerrundgängen der Demeter-Betriebe Extra-Zeit für die gemeinsame Begutachtung von Bodenproben einzuplanen. Die Zusammenarbeit mit dem Bodenfruchtbarkeitsfonds der Stiftung TRIGON und dem Netzwerk WIR. Bio Power Bodensee wollen sie nutzen, um eine breitere Öffentlichkeit für das Thema Bodenfruchtbarkeit zu sensibilisieren und in anstehende Projekte einzubeziehen.

 

Ergänzende Fachvorträge im Jahresverlauf 2017 sollen noch bestehende Wissenslücken zum Thema Bodenfruchtbarkeit schließen. Der Überlinger Naturkostgroßhändler BODAN, der auch als Gastgeber der diesjährigen Lichtmesstagung des „Bündnis für biologisch-dynamische Arbeit am Bodensee“ fungierte, hat hierfür bereits seine finanzielle Unterstützung zugesagt.

 

„Die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit ist eine Herausforderung, mit der wir die Landwirte nicht alleine lassen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die wir auch durch den Aufbau einer lebendigen und partnerschaftlichen Bio-Handelskultur in unserer Region Mitverantwortung übernehmen wollen“, sagt BODAN-Geschäftsführer Sascha Damaschun.